Europakreuz - Jahrgang 5 / Ausgabe 15 - Sommer 1996 e.v.

Dagda Mor

 

Dagda Mor stammt wie so manche herausragende Band des DeepDrowning Noise- oder PowerElectronics-Genres aus dem sächsischen Raum. Die Bandbreite der Stücke reicht von ruhigen und mystischen Tracks über harte, treibende Nummern bis hin zu wuchtigen Soundcollagen. Hierbei wird allerdings kein sinnloser Lärm produziert, sondern man hält stets gewisse Songstrukturen ein - wenn es auch manchmal etwas arg monoton wird. Mit dem Einsatz von Vocals hat das Projekt sich lange Zeit sehr zurückgehalten, aber hier ist mittlerweile eine Weiterentwicklung zu beobachten. Thematisch bewegt sich Dagda Mor zwischen der nordischen Mythologie und Soldatentum, die beide oftmals mit dem Tod verbunden werden.

Das Erstlingswerk "Schwerttau" kommt zur Gänze ohne Vocals aus. Man setzt lediglich einige Samples aus dem Dritten Reich ein, der Schwerpunkt liegt auf der Musik. Ähnlich sieht es auf den beiden nachfolgenden Tapes aus, obwohl hier vereinzelt bereits Gesang vorliegt, so z.B. bei "Ragnarök" und "Sonnenwend' ". Weiterhin zu empfehlen sind vor allem "Lokasenna", "Holmgang" und "Sturmzauber" oder das zersetzende "Zerfall". Beide Tonträger sind als "Heriot/Stern des Nordens" wiederveröffentlicht worden. Dem Labelinfo, das hier von einer "Reise durch das mystische Königreich des Nordens" spricht, kann ich nur zustimmen. Auf der nachfolgenden Split-Single mit Ex.Order präsentiert Dagda Mor rhytmisch-harte PowerElectronics, die bei "Racial War" mit einem wirklich heftigen Text versehen werden.

Jüngste Veröffentlichung ist die MCD "This Sun For Europe", die im DIN A5-Korkcover verpackt ist. Das Cover zieren ein entweder dem Rotfrontkämpferbund oder der SA zuzuordnender Trompeter sowie eine Triskele (dreiarmiges Swastika). Die vier Tracks fallen im allgemeinen ruhig aus, tauchen den Hörer aber in ein Wechselbad aus Erholung und Stahlgewittern. Die teilweise unangenehm schneidenden Vocals verstärken diesen Eindruck. Das Stück "Dresden" stellt eine erneute Zusammenarbeit mit Ex.Order dar, und mit "Wir tragen das Leben" vertont man ein Gedicht aus dem Jahr 1932. Die innere Zerrissenheit und Entwurzelung der Weltkriegsgeneration wird eindrucksvoll dargestellt, welche die Überlebenden nicht selten in die Reihen von Rotfront oder SA führte. Der Text diese Titels ist erfreulicherweise auf der Innenseite abgedruckt. Erstmals kann hier auch ein überwiegender Einsatz von Vocals zu Lasten der bis dato üblichen Instrumentals beobachtet werden.

Neben den eigentlichen Dagda Mor-Veröffentlichungen sind noch einige Beiträge zu Compilations hervorzuheben. Hier ragen vor allem das hart ausfallende "Gaswar" vom "Gaskrieg"-Tape (in meinen Augen das beste Dagda Mor-Stück überhaupt) sowie die Live-Beiträge auf "Documents 2" hervor. Ferner existierte eine zeitweilige Zusammenarbeit mit Inade, der man den Namen "MK U.L.T.R.A." und das Motto "The Brain Attack Program" gab.

Torsten Bunk
 
 


 

Junge Freiheit - 21.August 1998 - Nr. 35/98

Kriegserklärung

 

Nur "Eingeweihte" dürften heute noch wissen, daß das Mutterland der elektronischen Musik nicht in anglo-amerikanischen Gefilden zu suchen ist, sondern in Deutschland. Hier reicht die Ahnenreihe von Karl-Heinz Stockhausen über so bekannte Gruppen wie Kraftwerk, Neu (70er Jahre), Deutsch-AmerikanischeFreundschaft (80er Jahre) bis hin zum Tekkno und Industrial der 90er Jahre. Gerade die beiden letztgenannten Musikstile wurden und werden maßgeblich von deutschen Musikern beeinflußt.

Einer der innovativsten deutschen Industrial-Musiker ist der Zwickauer Andreas Berge alias Dagda Mor, von dem der Rezensent gleich drei Werke vorstellen will. Die vor kurzem erschienene Single "Schwerttau" enthält zwei Wiederveröffentlichungen, u. a. das Titellied, das schon 1992 auf dem "Sturmgeweiht"-Sampler erschienen ist. Während auf "Schwerttau" der Einfluß der nordischen Mythologie auf das Schaffen Dagda Mors deutlich zu bemerken ist, fällt die B-Seite durch aggressive Tonschwingungen auf, die an warmlaufende Flugzeugmotoren erinnern, so daß man sich in einen Hangar versetzt fühlt. Genauso beeindruckend wie die Musik ist auch die Aufmachung der auf 400 Stück limitierten Single, die schon jetzt ein Sammlerstück sein dürfte.

Auf CD veröffentlichte Dagda Mor "The Border Of The Light", das eine Zusammenstellung von Live-Titeln und bis dato unveröffentlichten Stücken enthält. Getreu seinem Motto "Kultur ist Widerstand" stellt Dagda Mor den MTV/VIVA-Platitüden Industrial der härtesten Art entgegen, so das auf Wagners "Rheingold" basierende "Nach Nibelheim fahren wir nieder". Mit "Triumph", ursprünglich für den "Riefenstahl"-Sampler vorgesehen, folgt der nächste Höhepunkt auf CD. Schon der Text, beginnend mit der oben erwähnten Zeile "Kultur ist Widerstand" ist geradezu eine Kriegserklärung an den Zeitgeist. Wie eine musikalische Umsetzung von Ernst Jüngers Buch "In Stahlgewittern" erscheint das Stück "Lokasenna"; so dürften sich atomare oder durch einen Impakt hervorgerufene Feuerstürme anhören. Etwas eingängiger, und damit auch als "Einstiegsdroge" für den Industrial-Anhänger zu empfehlen, ist die demnächst erscheinende LP "Agent provocateur". Schon mit der ersten Seite dieser LP weiß Dagda Mor zu überzeugen, mit der zweiten weiß er zu begeistern.

Immer wieder von Sprachfetzen unterbrochen werden die ersten beiden Stücke, so das für Dagda Mor-Verhältnisse ruhige "Kollaborateur" und das aggressive "Filled with hatred". Seite 2 beginnt mit dem beeindruckenden "Agent Provocateur" - Klänge, die in ihrer geradezu hypnotisch anmutenden Monotonie an die Wiener Industrial-Legenden Kadmon/Allerseelen erinnern, und die zeigen, daß Dagda Mor auch Ambient-Einflüsse gekonnt zu verarbeiten weiß. Überraschen, aber nicht unbedingt überzeugen kann er mit der für ihn eher untypischen Musik von "Mind scan", doch mit "Sturmruf" gelingt ihm wieder ein ganz großer Wurf. Zwar ist der Rezensent von Dagda Mors Musik generell begeistert, aber hier übertrifft er alles, was er bisher hervorgebracht hat. Auch wenn es sich pathetisch anhört: "Sturmruf" ist ein Lied, dem man sofort den Titel "Meisterwerk des deutschen Industrial" verleihen kann. Hier zeigt sich, wie schöpferisch Deutschlands Musikavantgarde sein kann.

Ulli Baumgarten

ANON – Ausgabe 01/99

DAGDA MOR – "Agent Provocateur"

Andreas Berge, Kopf des sächsischen Powernoise – Kommandos DAGDA MOR, legt mit "Agent Provocateur" seine erste LP (nach einer MCD und CD auf Loki bzw. Functional) vor. Und er hat seine Ankündigungen betreffend Konsequenz und Radikalität, die er im letztjährigen ANON – Interview gemacht hat, wahr werden lassen: "Agent Provocateur" ist sicherlich das bisher kompromißloseste und deutlichste DAGDA MOR – Werk geworden.

Vergleichen läßt sich diese LP mit den ersten beiden Veröffentlichungen indes nicht; hier finden wir keine elegischen Hymnen wie "Nach Nibelheim fahren wir nieder" oder "Flamme Empor", vielmehr bestimmen sehr aggressive Sounds das Geschehen.

Einsame Spitze: der schnelle, rhytmische Knaller "Filled With Hatred", der in bester THE GREY WOLVES – Manier daherkommt – insgesamt muß ich sagen, daß mich diese LP stark an deren letztes Werk "Catholic Priests Fuck Children" erinnert!

Schade, daß die Elemente, die mich bei "The Border Of The Light" so begeistert hatten, nicht mehr so stark vorhanden sind, sprich: verzerrt – melodische Sounds und A. Berges schneidende Stimme, die leider nur selten zum Einsatz kommt. Dafür entschädigen aber Stücke wie "Kollaborateur", "Night", "The Coming Race" und das gediegene "Sturmruf", für das Herr Berge den Dichter Walter Flex bemüht hat, was unsere politisch korrekten Freunde sicherlich wieder auf die Palme bringen wird! TURBUND STURMWERK sind damit schließlich auch schon unangenehm aufgefallen...

Gehüllt ist diese LP – wie könnte es bei TESCO auch anders sein? – in ein wunderschönes, stilvolles blaues Cover mit silbernem Druck, eine Augenweide.

Ich mag die LP und kann sie ruhigen Gewissens empfehlen, obwohl sie meiner Meinung nach leider nicht an "The Border Of The Light" heranreicht.

"Die Herzen zusammengerissen, die Zähne zusammengebissen und vorwärts und Hurra!"

Holger Meyer

Malignant Rec.

DAGDA MOR – "Agent Provocateur"

 

Flat out, an amazing record. I don't even know where to begin to talk about this record, as it epitomizes absolutely everything I look for in German power electronics / death industrial, or whatever the hell you want to call it. Quite frankly this doesn't even fit into a category, nor do it deserve to be put into one! About as doomy, dark, and dense as this sort of shit can get, with overtly aggressive and militant tendencies that'll get the blood boiling with pure, raw, hate filled energy. Like the sounds of war, heavy artillery and machines pounding in your head while an assertive voice screams a slew of commands. An essential record and a benchmark recording at that.
 
 

Sigill - Heft 18

DAGDA MOR – "Agent Provocateur"

 

"Kultur ist Widerstand", dieses Motto, das auf Dagda Mor's letzter CD "The Border Of The Light" zu finden war, könnte auch über seinem neuen Werk "Agent Provocateur" stehen. Wer den Zwickauer kennt weiß, was ihn erwartet: Industrial der härtesten Art, diesmal aber erweitert - und wie ich finde, positiv erweitert - um Ambient - Klänge und tranceartige Melodien, die mich manchmal sogar an Allerseelen's "Traumlied" (eines der besten deutschen Lieder der Ostmark) erinnern. Zwar ist Dagda Mor eindeutig unmelodiöser, da härter als Allerseelen, aber ich halte den Sachsen für einen der wenigen deutschen Industrial-Musiker, die in der Lage sind, die oft ausgetretenen Bahnen des Industrial zu erweitern.

U. Baumgarten

 

Home Back